Die Gemeinde Durmersheim steht vor wichtigen Entscheidungen zur Zukunft der lokalen Wärmeversorgung. Als Grüne setzen wir uns seit vielen Jahren für eine klimafreundliche, sozial gerechte und wirtschaftlich tragfähige Energiepolitik ein. Genau aus diesem Anspruch heraus begleiten wir die aktuellen Planungen zur Sanierung und Erweiterung des Nahwärmenetzes in Durmersheim kritisch und konstruktiv.
Die vorliegenden Vergabeunterlagen zeigen, dass die Gemeinde weiterhin auf eine Kombination aus Holzhackschnitzel, Wärmepumpe und Blockheizkraftwerk setzt. Diese Technologien waren in der Vergangenheit wichtige Bausteine der Wärmewende. Heute jedoch ist klar: Systeme, die auf fossile Energieträger oder auf die Verbrennung großer Mengen Biomasse angewiesen sind, werden in den kommenden Jahren zunehmend unwirtschaftlich und verlieren an Förderfähigkeit. Gleichzeitig steigen die Betriebskosten des bestehenden Netzes, und immer mehr Kundinnen und Kunden entscheiden sich nach Ablauf ihrer Mindestvertragslaufzeit für günstigere Alternativen wie Wärmepumpen und damit für den Ausstieg aus der Nahwärme.
Mehrheit für „weiter so“
Trotz dieser Entwicklungen hat sich der Gemeinderat mehrheitlich dafür entschieden, die bisherigen Planungen fortzuführen. Die CDU sprach in der Debatte sogar davon, man heile damit „Sünden der Vergangenheit“. Die FWG bezeichnete die Planungen als ökologisch und ökonomisch wertvoll. Wir respektieren diese Positionen, sehen jedoch die Pflicht, auf die erheblichen Risiken und offenen Fragen hinzuweisen, die mit dieser Entscheidung verbunden sind.
Der Kritik, das Thema sei „ausdiskutiert“, „im Grundsatz beschlossen“ und es gebe „keine Alternative“, können wir nicht folgen. Ja, es gab in der Vergangenheit einstimmige Beschlüsse – diese zeigen jedoch nicht die kritischen Diskussionen, die das Thema Nahwärme schon immer begleitet haben. Einstimmigkeit bedeutet nicht, dass alle Fragen beantwortet sind, und sie ersetzt auch nicht die Pflicht, neue Entwicklungen, veränderte Rahmenbedingungen und aktuelle Wirtschaftlichkeitsdaten ernsthaft zu prüfen.
Verantwortung heißt auch Untragbares zu beenden
Unser Ziel ist es, Durmersheim langfristig unabhängig von fossilen und nicht nachhaltigen Energieträgern zu machen. Dazu gehört auch, Fehlentwicklungen frühzeitig zu erkennen und verantwortungsvoll gegenzusteuern. Wir fordern deshalb, dass die Gemeinde – parallel zu den laufenden Planungen – ein belastbares Exit‑Szenario entwickelt. Ein solches Szenario soll aufzeigen, wie ein geordnetes Auslaufen oder eine vollständige Umstellung des Netzes auf wirklich erneuerbare Technologien aussehen kann. Dazu gehören unter anderem Großwärmepumpen, kalte Nahwärme, Solarthermie und Abwärmenutzung.
Ebenso wichtig ist uns, dass die heutigen Nahwärmekundinnen und -kunden nicht im Regen stehen. Wer sich für klimafreundliche Wärme entschieden hat, verdient Planungssicherheit. Deshalb setzen wir uns für sozialverträgliche Übergangsmodelle ein – etwa durch Beratungsangebote, Förderprogramme für den Umstieg auf Wärmepumpen oder Preisstabilitätsmechanismen während einer Übergangsphase.
Wärmeerzeugung im Einklang mit den Klimazielen und Wirtschaftlichkeit
Wir wollen eine ehrliche, transparente und zukunftsorientierte Diskussion darüber, wie Durmersheim seine Wärmeversorgung klimaneutral, bezahlbar und resilient gestalten kann. Ein „Weiter so“ ist weder ökologisch noch wirtschaftlich verantwortbar. Die kommenden Monate bieten die Chance, gemeinsam die Weichen richtig zu stellen.
Wir stehen bereit, diesen Prozess konstruktiv zu begleiten – mit klaren Werten, fachlicher Kompetenz und dem festen Willen, Durmersheim klimafit für die kommenden Jahrzehnte zu machen.